Psychotherapeutische Unterstützung
Psychotherapie bei Adipositas kann helfen, Essverhalten, Gefühle und belastende Alltagssituationen besser zu verstehen und neue Wege im Umgang mit Stress und Essen zu entwickeln.

Warum kann Psychotherapie bei Adipositas sinnvoll sein?
Adipositas ist eine komplexe, chronische Erkrankung – und psychische Faktoren spielen dabei häufig eine wichtige Rolle. Viele Betroffene erleben einen engen Zusammenhang zwischen emotionalem Befinden und Essverhalten: Stress, Traurigkeit, Einsamkeit oder Langeweile können zu mehr Essen als eigentlich geplant führen.
Gleichzeitig kann Adipositas selbst psychische Belastungen verstärken – etwa durch Stigmatisierung, eingeschränkte Beweglichkeit oder ein negatives Körperbild. Es kann ein belastender Kreislauf entstehen, bei dem professionelle Unterstützung hilfreich sein kann.
Psychische Erkrankungen wie Depressionen, Angststörungen, Essstörungen (z. B. Binge-Eating-Störung) oder ADHS treten bei Menschen mit Adipositas häufiger auf. Eine Psychotherapie kann helfen, diese Zusammenhänge zu verstehen, Bewältigungsstrategien zu entwickeln und langfristige Verhaltensänderungen zu unterstützen.
Warum sollte die Hausärztin/der Hausarzt informiert werden?
Sie benötigen zwar keine Überweisung, um eine Psychotherapie zu starten. Dennoch sollten Sie Ihre Hausärztin/Ihren Hausarzt kontaktieren und Ihre Symptome schildern. So können mögliche körperliche Ursachen mitberücksichtigt und passende Unterstützungsangebote gefunden werden. Ihre Hausarztpraxis kann Sie auch bei der Therapeutensuche unterstützen.
Gut zu wissen: Psychopharmaka und Gewicht
Bestimmte Psychopharmaka – insbesondere einige Antidepressiva (z. B. Mirtazapin, Amitriptylin), Antipsychotika (z. B. Olanzapin, Clozapin, Quetiapin) und Stimmungsstabilisierer (z. B. Lithium, Valproat) – können als Nebenwirkung zu einer erheblichen Gewichtszunahme führen. Bei manchen Betroffenen ist eine medikamentöse Umstellung auf gewichtsneutrale Alternativen möglich. Sprechen Sie darüber mit Ihrer behandelnden Ärztin oder Ihrem behandelnden Arzt – setzen Sie Medikamente niemals eigenständig ab.
Wer darf Psychotherapie auf Kassenkosten anbieten?
Fachärzt:innen für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie
Ärztinnen und Ärzte mit Facharztausbildung in Psychosomatischer Medizin und Psychotherapie. Sie berücksichtigen körperliche, psychische und soziale Faktoren sowie deren Wechselwirkungen. Der Schwerpunkt liegt häufig auf psychotherapeutischer Behandlung und dem Verständnis, wie sich seelische Belastungen auf den Körper auswirken oder umgekehrt.
Sie bieten Psychotherapie an und können zusätzlich Medikamente verordnen.
Psychotherapeutische Verfahren
Je nach Beschwerden, persönlichen Vorlieben und Therapieangebot kommen unterschiedliche psychotherapeutische Verfahren infrage.
- Verhaltenstherapie: Sie hilft dabei, ungünstige Denk- und Verhaltensmuster besser zu verstehen und Schritt für Schritt zu verändern. Gerade bei emotionalem Essen, Gewohnheiten oder Selbstkritik wird sie häufig eingesetzt.
- Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie: Sie beschäftigt sich stärker mit inneren Konflikten, Beziehungserfahrungen und biografischen Prägungen, die das Erleben und Verhalten beeinflussen können.
- Analytische Psychotherapie: Sie geht noch stärker auf unbewusste Muster und frühe Beziehungserfahrungen ein und ist meist langfristiger angelegt.
- Systemische Therapie: Sie betrachtet den Menschen im Zusammenhang mit Familie, Partnerschaft und sozialem Umfeld. Sie kann hilfreich sein, wenn Konflikte oder Belastungen im Umfeld eine wichtige Rolle spielen.
Wer übernimmt die Kosten?
Die Krankenkasse übernimmt die Kosten, wenn es sich um psychologische oder ärztliche Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten oder Psychiaterinnen und Psychiater handelt. Diese brauchen in der Regel einen Kassensitz, um mit der gesetzlichen Krankenkasse abrechnen zu können.
Achten Sie auf den Hinweis "Privatzahler und alle Krankenkassen". Andernfalls handelt es sich um sogenannte Privatpraxen, die jedoch oft über das Kostenerstattungsverfahren ebenfalls mit Krankenkassen abrechnen können.
Wichtiger Hinweis
Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker für Psychotherapie, Beraterinnen und Berater und Coaches sind nicht verpflichtet, wissenschaftlich anerkannte Methoden anzuwenden. Ihre Behandlung wird daher nicht von Krankenkassen übernommen.
Die psychotherapeutische Sprechstunde
Eine kassenfinanzierte Psychotherapie kann nur mit einer vorliegenden psychischen Diagnose (z.B. "Depression") begonnen werden. Diese Diagnose und eine Behandlungsempfehlung erhalten Sie im Rahmen der psychotherapeutischen Sprechstunde. Es handelt sich nicht um einen ärztlichen Rat.
Terminservicestelle: 116 117
Montags bis freitags von 8 bis 18 Uhr. Vermittlung eines Sprechstundentermins innerhalb von 4 Wochen.
Alle Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten mit Kassensitz müssen diese Sprechstunde anbieten – auch wenn sie aktuell keinen Therapieplatz haben.
Bitte beachten:
Die Sprechstunde ist zunächst nur eine Abklärung – noch kein Therapiestart. Aber danach können Sie oft viel gezielter nach einem passenden Therapieplatz suchen.
Wie finde ich psychologische Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten?
Wenden Sie sich an Ihre Krankenkasse oder nutzen Sie diese Suchportale:
Terminservicestelle 116 117
TelefonBundesweite Vermittlung von Sprechstundenterminen innerhalb von 4 Wochen
Kassenärztliche Vereinigung – Arztsuche
OnlineOnline-Suche nach Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten mit Kassensitz
Bundespsychotherapeutenkammer
OnlinePsychotherapeutensuche mit Filteroptionen
Landeskammern für Psychotherapie
RegionalRegionale Anlaufstellen für Therapiesuche
Selbsthilfegruppen-Netzwerke
SelbsthilfeSelbsthilfegruppen können wertvolle Orientierung bei der Therapeutensuche bieten – z. B. über NAKOS oder regionale Kontaktstellen
Tipps für schnellere Termine
Ausbildungsinstitute & Ambulanzen
Oft schnellere Termine bei Ausbildungsinstituten für Psychotherapie, psychotherapeutischen Ambulanzen von Kliniken oder Hochschulen.
Die Zeit bis zum Therapiestart nutzen
Wartezeiten auf einen Therapieplatz können lang sein. Diese Optionen können helfen:
Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGAs)
Auch für psychische Erkrankungen gibt es Apps auf Rezept. Fragen Sie Ihre Hausärztin/Ihren Hausarzt danach.

Unterstützung auf Ihrem Weg
Die Suche nach dem richtigen Therapeuten braucht Geduld. Unterstützung bei der Suche bietet z.B. die Terminservicestelle unter 116 117.