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Gewohnheiten verstehen: Warum wir tun, was wir tun

5 Min. Lesezeit
corinna
FachexperteDr. med. Corinna PfeifferFachärztin für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie

Das Wichtigste in Kürze


Warum greifen wir abends auf der Couch automatisch zur Chipstüte, obwohl wir uns fest vorgenommen haben, es nicht zu tun? Oft hat das wenig mit fehlender Disziplin zu tun. Etwa 40 bis 50 Prozent unserer täglichen Handlungen laufen automatisch ab. Gewohnheiten sparen Energie und geben Struktur - deshalb greifen wir in bestimmten Situationen oft automatisch zu vertrauten Verhaltensweisen. Viele Gewohnheiten entstehen, weil sie kurzfristig etwas erleichtern: Sie geben Trost, lenken ab, helfen bei Stress oder geben neue Energie. Deshalb reichen gute Vorsätze allein oft nicht aus. Langfristige Veränderungen gelingen meist besser, wenn Menschen verstehen, welche Situationen, Gefühle oder Tageszeiten bestimmte Gewohnheiten auslösen. Es geht nicht darum, sich komplett zu verändern. Oft hilft es schon, kleine Schritte auszuprobieren und bestehende Gewohnheiten nach und nach anzupassen.

Die Gewohnheitsschleife


Viele Gewohnheiten folgen einer sogenannten Gewohnheitsschleife:

  • Der Auslöser (Cue): zum Beispiel Stress, Müdigkeit, Langeweile, eine bestimmte Uhrzeit oder ein bestimmter Ort.
  • Die Routine (Handlung): etwa Essen, Snacken, aufs Handy schauen oder sich zurückziehen.
  • Die Belohnung (Reward): zum Beispiel Entspannung, Ablenkung, Trost oder neue Energie.

Gewohnheiten lassen sich oft leichter verändern, wenn nicht alles gleichzeitig verändert werden muss. Häufig hilft es, den Auslöser und das Bedürfnis dahinter besser zu verstehen und dann nach einer anderen Reaktion zu suchen, die denselben Zweck erfüllt.

Wie man das nutzt:


Eine alte Gewohnheit kann man selten einfach "löschen". Aber man kann sie überschreiben. Der Trick ist: Behalten Sie den Auslöser und die Belohnung bei, aber tauschen Sie die Routine aus.

Beispiel:

Auslöser (Cue): Jeden Tag gegen 15 Uhr kommt Müdigkeit auf.

Routine (Handlung): Fast automatisch greift die Person zu einem Schokoriegel oder etwas Süßem.

Belohnung (Reward): Für kurze Zeit entsteht das Gefühl, wieder wacher und konzentrierter zu sein.

Wenn das Muster erkannt wird, kann vor allem die Routine verändert werden. Der Auslöser und die Belohnung bleiben zunächst oft gleich: Müdigkeit am Nachmittag und das Bedürfnis nach neuer Energie. Statt eines Schokoriegels könnten dann andere Routinen ausprobiert werden - zum Beispiel ein Glas Wasser, frische Luft, ein kurzer Spaziergang, Kaffee oder Tee, Musik oder eine kleine Pause. Wenn die neue Routine ebenfalls hilft, wacher zu werden, kann das Gehirn mit der Zeit lernen, auch diesen Weg automatisch zu nutzen.

Wichtiger Hinweis: Die Psyche isst mit


Die mentale Seite ist kein "Nice-to-have", sondern das Fundament für ein langfristig gesundes Gewicht. Ernährungswissen allein reicht oft nicht aus, wenn alte Muster tief verankert sind.

Um diese psychologischen Aspekte zu bearbeiten, kann eine klassische Verhaltenstherapie bei einem Psychotherapeuten hilfreich sein (beachten Sie, dass dies ohne eine diagnostizierte psychische Erkrankung oft eine Selbstzahler-Leistung ist). Eine moderne Alternative sind ganzheitliche digitale Adipositas-Therapien wie zanadio, die Ernährungs-, Bewegungs- und Verhaltenstherapie kombinieren und auf Rezept erhältlich sind.

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